“Voll weggemobbt”

Jetzt ist es ja so, dass ich mir immer aussuchen kann, welche Musik ich höre. Oder über welche Kreuzung ich gehe. Oder welche Tweets ich lese. Und das ist auch gut so.

Und jetzt ist es ja so, dass Sie sich aussuchen können, welche Musik Sie hören. Oder welche Kreuzung sie gehen. Oder welche Tweets Sie lesen. Und das ist ja auch gut so.
Mhm. Heute wurde mir da was in die Timeline retweetet. “Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein!” Also nehme ich das mal zurück: ich kann mir aussuchen, wem ich folge, habe aber keinen Einfluss, was mir so retweetet wird. Ist mir aber im Grunde auch egal. Jeder hat etwas zu sagen, und jeder will irgendwen erreichen, da ist es ja nur recht und billig, das Menschen, denen ein Tweet zusagt, die Möglichkeit haben, eben diesen weiter zu verbreiten.
Jetzt stand in meiner Timeline heute sinngemäß folgendes: An der #aufschrei- und Sexismusdebatte beteiligen sich ja eh nur Frauen, die nicht gerade besonders gut aussehen würden.
Holla. Harter Tobak. Aber eine öffentliche Aussage. Ich finde es durchaus legitim, wenn auch etwas heftig in den Worten gewählt, hier zu fragen, wie dumm und ignorant ein Mensch eigentlich sein kann, und ich finde es auch legitim, meine Follower auf diesen Tweet hinzuweisen. Damit muss ich, als User, ja wohl rechnen. Gerade bei so – und ich möchte das jetzt ganz bewusst in Anführungszeichen setzen – “polarisierenden” Tweets wie den, um den es mir hier geht. (Tatsächlich finde ich den widerlich)
Holla. Plötzlich reagieren Menschen darauf! Wer hätte das gedacht? Wer hätte schon wissen können, dass alles, was in der Öffentlichkeit geäußert wird, Reaktionen hervorruft?
Nicht genannter User hat sich übrigens gelöscht. Und ich bekam die ein oder andere Reply, dass ich eben diesen jetzt “weggemobbt” hätte, und ob ich jetzt glücklich sei. Und hier stellt sich mir wieder die Frage: Wie ignorant kann ein Mensch denn sein?
Ja, ich bin froh, das Menschen, die solche Aussagen tätigen, und die dies auch ernst meinen – was weiteren Tweets entnommen werden konnte – ein Forum entzogen wird. Ja, ich toleriere solche Aussage nicht. Sie sind sexistisch, bösartig, an der Realität vorbei und in keinster Weise lustig. Menschenverachtend. Das ist kein Mobbing. Sondern Konsequent. Und die Unterstellung, jemanden mit solch menschenverachtenden, sexistischen und bösartigen Tweets das Forum zu entziehen, wäre Mobbing, missachtet jedes Opfer von Mobbing.
Und auch mit Meinungsfreiheit hat das nichts mehr zu tun. Denn das höchste Gut ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern die Würde des Menschen. Überall, wo die Würde des Menschen angegriffen wird, die Würde der Frau, überall, wo Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer Kultur beschimpft, verfolgt und erniedrigt werden, überall dort muss man, muss ich, muss jeder vernünftige Mensch sagen: Nein. Das geht nicht.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Punkt.
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8 thoughts on ““Voll weggemobbt”

  1. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ob es nicht erst die Interpretation zu einer, ich sage das jetzt bewusst, nicht mehr objektiven Einschätzung bringt? (In keinster Weise versuche ich an dieser Stelle, diese Aussage zu unterstützen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch.)

    Lediglich sehe ich das Problem nicht im Sexismus. Wie sehen sie denn die Frage nach gegenseitigem Respekt?

    Was ist ein Witz? Keine Vorurteile? Verletzen diese betroffene Personen u.U. nicht? Ihr auf Twitter so sensationell gefeierter Hitler? Alles Nazis?

    Sie wirken ebenso wie ein Fähnchen im Wind, wie alle Anderen.
    Sie müssen nicht dagegen wettern, weil sie ein emanzipierter Mann sind. Sie sollten Partei ergreifen für alle Unterdrückten, gleichwohl wie Sie es jetzt für Frauen tun, aber wahrscheinlich sind Sie auch nur ein Sexist, der eben weibliche Brüste präferiert.

    Ich hoffe, Sie begreifen, wie meine Aussagen zu verstehen sind.

  2. Lieber Herr Bohm,

    mit vielen Followern, kommt große Verantwortung, was Meinungsbildung anbelangt.
    Was dieses spezielle Thema anbelangt, gebe ich dir vollkommen und ausnahmslos recht. Wir wissen aber auch, dass es diverse Grenzen gibt.
    Ich erlebe es oftmals, nicht nur von dir, aber andere will ich hier nicht namentlich nennen, weil das dein Blog ist, dass Twitter dazu genutzt wird, andere zu diffamieren.
    Nehmen wir das einfachste und naheliegendste Beispiel: mich.
    Auf Twitter wird von irgendwem mit 10.000 Followern mal wieder behauptet, ich sei der übelste Fake überhaupt, ich sei Badespassbarbie, ich sei ein osteuropäischer Trucker undundund. Das sind nur einige Beispiele. Es wird dazu aufgefordert mich zu diffamieren und zu blockieren. Twitter ist Twitter, aber wo bleibt da die unantastbare Würde eines einzelnen Menschen? Es ist jetzt nicht so, dass ich mich wegen sowas in den Schlaf weine, eine Zeitlang im letzten Jahr belastete mich das aber massiv, zumal diese öffentlichen Anfeindungen zu 98% von Menschen kamen, denen ich nie folgte, sie mir nicht und es herrschte auch sonst nie in irgendeiner Art und Weise Kontakt.

    Twitter als Pranger zu benutzen in solchen Momenten wie oben beschrieben, ist die eine Sache. Follower aber regelrecht aufzuhetzen, ist die andere Form, die ich leider, nicht nur an meinem eigenen Beispiel, viel öfter bemerke.

    Herzlichst

    • Ich bin auch gegen Ausrufe wie “in den Hals scheißen” und so fort. Es gibt auch einen Unterschied zwischen “Das ist unmöglich” und “Ich kann dich nicht Leiden”. Persönliche Probleme haben auf Twitter nichts zu suchen. Genau wie Mobbing.

      Aber hier geht es nicht um Mobbing. Und ich glaube, ich hoffe, nicht ein Hetzer zu sein.

      Ich fühle mich übrigens nicht angesprochen. Mir ist relativ egal, ob jemand “echt” ist oder nicht. Nur zu seinem Wort muss man stehen.

  3. das ist wunderbar gesagt. *no tolerance for intolerance* …die dummheit & bosheit der menschen ist grenzen-los. und die menschen-würde bloss fest-ge-schrieben. völlig irreal. kommentare dieser art sind sowas wie ein *hoffnungs-schimmer* mg

  4. Die Würde eines Menschen (der Frauen) gegen die eines anderen (des Aussagentatigers, der auf’s Übelste PERSÖNLICH) aufzuwiegen, ist übrigens weit verfehlt und geht weit am Würdebegriff vorbei.

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